Bratek Immobilien

Do, 03.10.2019
Warum sich die Immobilienbranche auf neue Zeiten einstellen muss

Experten rufen eine Trendwende am Immobilienmarkt aus – und erklären den Boom der zurückliegenden zehn Jahre für beendet. Eine Fehlwahrnehmung?

Mario Draghi, der EZB-Präsident, warnt vor zunehmenden Risiken durch überhitzte Häuserpreise und eine zu lockere Kreditvergabe. Passend dazu meldet das Statistische Bundesamt, dass die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten des Landes im Frühjahr weiter gestiegen sind: um zehn Prozent bei Eigenheimen, um neun Prozent bei Eigentumswohnungen. Und im bundesweiten Schnitt verteuerte sich Wohneigentum auf Jahressicht um immerhin fünf Prozent.

Gleichzeitig rufen die Forscher des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft die Trendwende am deutschen Immobilienmarkt aus – und erklären den Boom der zurückliegenden zehn Jahre für beendet. Typisch deutscher Pessimismus? Eine Fehlwahrnehmung?

Weder noch. Die Konjunkturexperten, die mit ihrem vierteljährlichen Immobilienindex die Stimmungslage und die Geschäftserwartungen in den Chefetagen der Branche wiedergeben, sind einer einfachen Regel der Konjunkturforschung gefolgt. Sinkt ein Index dreimal in Folge – und genau das ist in diesem Herbst passiert –, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Wendepunkt erreicht ist. Zudem deuten auch andere wirtschaftliche Indikatoren wie der sich abkühlende Ifo-Beschäftigungsindex oder die zunehmend pessimistische Stimmung in der Industrie darauf hin, dass die Zeiten für Projektentwickler, Immobilien-AGs oder Investoren, die ihr Kapital in Bürohäusern, Shoppingcentern und Wohnungen anlegen, schwieriger werden dürften. Von einer abkühlenden Gesamtkonjunktur können sich die Immobilienmärkte nicht abkoppeln.

Die Branche weiß das – und rechnet längst insgeheim mit einer bevorstehenden Trendwende. Schließlich hält der Zyklus des Aufschwungs jetzt schon zehn Jahre lang an, in der Vergangenheit war zumeist spätestens nach sieben Jahren Schluss. Die Unternehmen wissen aber auch: Aus dem Abschwung – sollte er denn kommen – wird kein Absturz werden. Die Europäische Zentralbank hat ihr Netz aus niedrigen Zinsen und großzügigen Kapitalspritzen für die Märkte gerade wieder straffer gespannt. Auf der Suche nach vergleichsweise sicheren Anlagemöglichkeiten mit einigermaßen akzeptabler Verzinsung werden institutionelle wie private Investoren deshalb weiterhin Büros, Geschäftshäuser und Wohnungen kaufen – und so die Preise hoch halten.

Und was ist mit den Mieten? Auch da hat die Branche noch viel Puffer – jedenfalls auf den Büro- und Wohnungsmärkten. Überschaubare Neubautätigkeit, sehr geringe Leerstände und vor allem eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnungen schützen vorerst vor sinkenden Mieten. Die Trendwende am Immobilienmarkt wird für Firmen und Eigentümer zur weichen Landung.

Quelle: Handelsblatt