Bratek Immobilien

Fr, 16.10.2020
Mieten steigen so langsam wie seit Jahren nicht

Mehr Wohnungsneubau, mehr Wohneigentum im Umland – das sind laut IVD-Wohn-Preisspiegel die Gründe für nur noch sehr moderat steigende Mietpreise. Das betrifft insbesondere die Metropolen. In kleineren Städten kommt es zu Nachholeffekten. Dort sind die Mieten stärker gestiegen.

„Der deutsche Mietwohnungsmarkt ist auf Beruhigungskurs, die Mietpreisdynamik weist eine besonders geringe Abweichung gegenüber der allgemeinen Teuerungsrate auf“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbands Deutschland IVD. Der aktuelle Preisanstieg im IVD-Wohn-Preisspiegel 2020/2021 ist der schwächste der vergangenen zehn Jahre.

Die Mietpreise veränderten sich im ersten Halbjahr 2020 nur noch in Höhe der Inflationsrate. Verantwortlich dafür sind den Researchern zufolge nicht Effekte der Covid-19-Pandemie, sondern vor allem zwei Trends: Zum einen gleicht das wachsende Angebot an Wohnungen durch mehr Neubau in den vergangenen Jahren allmählich den Markt aus, der lange nachfragedominiert war – zum anderen sind zuletzt immer mehr Mieter aus den Innenstädten ins Wohneigentum im Umland gezogen. „Was den Mietmarkt zusätzlich entlastet“, so Schick.

Mietsteigerung in den Top-Städten: stärker gebremst als im Durchschnitt
Laut IVD-Wohn-Preisspiegel zahlten Mieter im ersten Halbjahr 2020 für eine Wohnung mit mittlerem Wohnwert im Bestand (Neuvertragsmiete) 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Neubau stiegen die Mieten um drei Prozent. 2019 legten die Mieten im Bestand noch um 3,1 Prozent zu und um 3,3 Prozent für Neubauwohnungen.

An den deutschen Top-Immobilienstandorten Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart war die Mietpreisdynamik noch stärker gebremst als im Durchschnitt: Die Mieten im Bestand stiegen nur noch um 1,4 Prozent und im Neubau um 2,3 Prozent.

Im bundesweiten Durchschnitt liegt laut IVD die Neuvertragsmiete pro Quadratmeter im Bestand derzeit bei rund 8,30 Euro und 10,80 Euro im Neubau. In den oben aufgeführten Top-6-Städten müssen Mieter für den Quadratmeter 11,90 Euro im Bestand und 14,70 Euro im Neubau bezahlen. Für Berlin liegen dem IVD in diesem Jahr keine Marktpreisdaten vor.

„Seit dem 23.2.2020 ist der Markt für Mietwohnungen im Bestand in Berlin wegen des Mietendeckels außer Kraft gesetzt. Eine zuverlässige Marktberichterstattung ist deshalb nicht möglich.“ Jürgen Michael Schick, IVD-Präsident

Von den untersuchten sechs Metropolen ist München wie gehabt das teuerste Pflaster für Mieter mit durchschnittlich 15,10 Euro pro Quadratmeter (Neuvertragsmieten im Bestand). Stuttgart ist mit 13,40 Euro pro Quadratmeter nahe dran, in Köln kostet der Quadratmeter im Bestand mittlerweile elf Euro. Das reicht für Platz drei. Bei den Mietpreisen in neuen Wohnungen liegt ebenfalls München vorn mit 18 Euro, gefolgt von Stuttgart (15,30 Euro) und Hamburg (14,05 Euro).

Mietpreise: Nachholeffekte in den kleineren Städten
In den sogenannten kleinen Großstädten (100.000 bis 499.999 Einwohner) und den Mittelstädten (20.000 bis 99.999 Einwohner) führten laut IVD Nachholeffekte dazu, dass die Mietpreise noch etwas stärker gestiegen sind. „Angetrieben von der erheblichen Preisdifferenz“, sagt Schick.

Für eine Bestandswohnung mit mittlerem Wohnwert stiegen die Mieten im Durchschnitt um 3,6 Prozent (2019: plus drei Prozent) in den kleineren Großstädten, während in den Mittelstädten das Plus bei 3,3 Prozent lag – genauso wie 2019. Im Neubausegment lagen die Preisanstiege bei
3,5 Prozent in den kleinen Großstädten und bei 3,7 Prozent in den Mittelstädten.

Die aktuelle Miete pro Quadratmeter im Bestand in den kleinen Großstädten liegt bei 7,80 Euro und im Neubau bei zehn Euro. In den Mittelstädten liegen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise bei 6,70 Euro im Bestand und 8,70 Euro im Neubau.

Quelle: Haufe Online Redaktion