Bratek Immobilien

Do, 07.07.2022
Immobilien: Erste Preisstagnation in Metropolen

Immowelt verzeichnet im zweiten Quartal 2022 in 13 von 14 untersuchten Städten eine sinkende Nachfrage nach Wohnimmobilien, vor allem in teuren Metropolen. In der Hälfte der beleuchteten Großstädte sind stagnierende oder bereits leicht sinkende Angebotspreise zu beobachten.

Das Immobilienportal immowelt sieht für das zweite Quartal eine sinkende Nachfrage nach Wohnimmobilien und eine erste Preisstagnation in Deutschlands größten Städten. Im Quartalsbericht wurden auf immowelt.de angebotene Bestandswohnungen mit einer Größe von 75 Quadratmetern, drei Zimmern, gelegen in der ersten Etage und erbaut in den 1990er-Jahren im zweiten Quartal 2022 mit dem Vorquartal verglichen. Nachfrage und Angebot wurden anhand eines Vorjahresvergleichs analysiert.

Weniger Anfragen auf inserierte Kaufimmobilien
Infolge der rasant gestiegenen Bauzinsen ist der Traum vom Eigenheim für viele Menschen teurer geworden oder gar nicht mehr erschwinglich. Laut immowelt ist die Nachfrage nach Eigentumswohnungen zuletzt deutlich gesunken. Konkret hat sich im zweiten Quartal 2022 deutschlandweit die Anzahl der Anfragen auf Kaufimmobilien, die auf immowelt.de inseriert wurden, im Vergleich zum Vorjahr um 17% verringert.

Mehr angebotene Wohnungen
Infolge der höheren Zinsen beobachtet immowelt zudem den Effekt, dass die Zahl der inserierten Wohnungen wieder stark zugelegt hat. Im Vergleich zwischen dem zweiten Quartal 2022 mit dem Vorjahresquartal ist das Angebot um 29% gestiegen. Die Experten von immowelt sehen als mögliche Ursache, dass die Vermarktung durch die zurückgehende Nachfrage aufwendiger wird und mehr Objekte auf dem freien Markt angeboten werden.

Geringere Nachfrage vor allem in teuren Großstädten
Betrachtet man die 14 Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern, so bringt der Vergleich zu Tage, dass vor allem in hochpreisigen Märkten das Interesse an Immobilien gegenüber dem Vorjahresquartal nachgelassen hat. Dagegen hat sich das Angebot meist vergrößert. So weist München 18% weniger Anfragen auf bei 27% mehr Immobilienangeboten. In Köln fallen die Veränderungen noch stärker aus: Bei der Nachfrage ist ein Rückgang von 20% zu verzeichnen, wohingegen sich die Anzahl der Inserate um 54% erhöhte.

Starker Rückgang auch in Berlin, aber kein Anstieg der Angebote
In Berlin habe sich die Nachfrage mit -52% im zweiten Quartal 2022 gegenüber dem zweiten Quartal 2021 sogar mehr als halbiert, und auch in Hamburg würden mit -47% deutlich weniger Anfragen gestellt. Anders als in anderen Großstädten ist hier das Angebot laut immowelt aber noch nicht angestiegen, sondern ist sogar noch weiter gesunken.

In beiden Städten ist die sinkende Nachfrage deshalb vermutlich auf das anhaltend geringe Angebot zurückzuführen. In Berlin könnten darüber hinaus noch Verwerfungen durch den Mietendeckel nachwirken: Hier legte die Anzahl der Inserate für Wohneigentum während der Geltungsdauer des Gesetzes stark zu. Nachdem das Bundesverfassungsgericht den Mietendeckel gekippt hatte, ging die Zahl der Verkaufsannoncen wieder stark zurück.

Vergleich mit erstem Quartal zeigt teils sinkende oder stagnierende Preise
Die gestiegenen Bauzinsen, die hohe Inflation und die Unsicherheiten infolge des Kriegs in der Ukraine würden sich laut immowelt nicht nur in der geringeren Nachfrage widerspiegeln, sondern auch bereits bei den Kaufpreisen. Dem Preiskompass zufolge haben die Angebotspreise von Bestandswohnungen im zweiten Quartal 2022 in sieben der 14 untersuchten Großstädte in Deutschland nicht weiter zugelegt. Drei Städte weisen konstante Preise auf, in vier weiteren Städten sind bereits leichte Rückgänge zu beobachten. Im Vorquartal ging es noch in allen 14 Städten mit den Kaufpreisen nach oben. Insbesondere in den teuersten deutschen Großstädten hat die Kaufpreisrallye im vergangenen Quartal an Fahrt verloren. Mit München, Frankfurt und Köln weisen drei der fünf teuersten deutschen Metropolen stagnierende oder sogar leicht sinkende Preise auf.

Berlin und Hamburg mit leichten Preisanstiegen
In Berlin scheint sich trotz verminderter Zahl der Anfragen ein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot noch nicht einzupendeln. Stattdessen legten die Preise für Eigentumswohnungen in der Hauptstadt im zweiten Quartal um 2% zu. Auch in Hamburg ging es mit den Preisen von April bis Juni um 1% nach oben.

Ergebnisse der 6. Ausgabe des immowelt Preiskompass gibt es hier zum Download. (tk)

Quelle: AssCompact