Bratek Immobilien

Mo, 12.07.2021
Grenze erreicht: In teuren Großstädten wie München und Frankfurt steigen die Mieten nicht mehr

In acht von 14 deutschen Großstädten stagnieren oder sinken die Mieten, zeigt eine Auswertung des Onlineportals Immowelt. Eine Stadt nimmt eine Sonderrolle ein.

Frankfurt. Es ist ein Alarmsignal für Immobilieninvestoren – und eine gute Nachricht für Mieter: Nach teils enormen Mietsteigerungen in den vergangenen Jahren scheint in einigen Städten eine Grenze erreicht, wie der aktuelle Mietkompass des Onlineportals Immowelt zeigt. Demnach konnten Vermieter im zweiten Jahresquartal nur noch in sechs von 14 untersuchten Großstädten höhere Mieten durchsetzen als in den ersten drei Monaten des Jahres. Die Mehrzahl von acht Städten wies stagnierende oder leicht sinkende Mieten auf.

Besonders in teuren Großstädten wie München, Frankfurt oder Stuttgart zogen die Preise zuletzt nicht weiter an. Der Trend, dass sich die Mieten in den teuersten Städten stabilisieren und nur noch dort leicht steigen, wo das Niveau noch vergleichsweise günstig ist, wird sich nach Einschätzung von Immowelt in diesem Jahr voraussichtlich fortsetzen.

Generell scheint in den teuersten Städten inzwischen eine Preisgrenze erreicht zu sein, kommentiert Immowelt diese Erkenntnisse. Schließlich müsste laut dem Portal ein Haushalt in München knapp 6000 Euro im Monat netto zur Verfügung haben, um eine als angemessen geltende Wohnkostenquote von 30 Prozent zu erreichen. In Frankfurt würden dafür 4500 Euro benötigt, in Stuttgart 4200 Euro.

In München stagnierten die Mieten laut der Untersuchung zuletzt – wenngleich auf sehr hohem Niveau: 16,54 Euro kosten Bestandswohnungen dort pro Quadratmeter. In den kommenden Monaten werde es wieder leicht aufwärtsgehen, prognostizieren die Immowelt-Experten: Ende des Jahres müssen Mieter mit 16,58 Euro pro Quadratmeter rechnen. Damit liegt München auch Ende 2021 noch mit großem Abstand vor allen anderen Großstädten.

Weniger rosig sind die Perspektiven aus Sicht von Vermietern für Frankfurt, der zweitteuersten Stadt Deutschlands: Dort waren die Mieten im vergangenen Quartal laut Immowelt sogar leicht rückläufig. Während im ersten Quartal der Quadratmeter noch für 11,95 Euro netto kalt pro Monat vermietet wurde, waren es zuletzt 11,66 Euro – ein Minus von zwei Prozent. Bis Jahresende sollten sich Vermieter und Mieter in der hessischen Metropole laut der Analyse auf vergleichsweise geringe Veränderungen von minus einem Prozent auf dann 11,61 Euro pro Quadratmeter einstellen.

Sonderfall im Osten: Es wird deutlich teurer in einer Stadt

Sehr viel günstiger leben lässt es sich in anderen Städten – wenngleich dort die Mieten weiter steigen. So verteuerten sich die Mieten im zweiten Quartal in Berlin um zwei Prozent auf 9,26 Euro pro Quadratmeter. Im ersten Quartal – als in der Hauptstadt noch der viel diskutierte Mietendeckel in Kraft war – lag der Wert noch bei 9,06 Euro.

Seit der Mietendeckel im Juni 2019 angekündigt wurde, sanken die Angebotsmieten von regulierten Bestandswohnungen zunächst. Doch als das Bundesverfassungsgericht im April diese Maßnahme für nichtig erklärte, handelten die Vermieter offenbar sofort. Nach Einschätzung von Immowelt dürften die Mieten bis zum Jahresende auf 9,85 Euro anziehen.

„Es sind aber noch stärkere Nachholeffekte bei anstehenden Neuvermietungen vorstellbar, also dass die ausbleibenden Steigerungen der vergangenen 1,5 Jahre nun nach und nach aufgeschlagen werden“, heißt es weiter. „Sollte diese verstärkte Nachholdynamik einsetzen, sind Quadratmeterpreise von 10,10 Euro bis Ende des Jahres möglich.“ Dies würde einer Steigerung der Angebotspreise für Mietwohnungen aus dem Bestand um neun Prozent entsprechen.

Solche Preise sind für Kölner und Hamburger längst normal: Zuletzt stieg das Preisniveau in der Rheinmetropole auf 10,51 Euro monatlich pro Quadratmeter, ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2021. In Hamburg waren die Angebotsmieten in dem Zeitraum um ein Prozent erhöht worden auf 10,91 Euro.

In beiden Städten werden die Mieten laut Immowelt bis zum Jahresende aber steigen: in der Rheinmetropole um drei Prozent auf 10,82 Euro pro Quadratmeter. Hamburger Wohnungssuchende müssen gar mit einer Verteuerung von sechs Prozent rechnen. Der prognostizierte Quadratmeterpreis liegt am Jahresende bei 11,53 Euro. Damit rückt die Hansestadt nah an das Frankfurter Preisniveau heran.

Grundlage der Auswertung waren auf immowelt.de angebotene Quadratmeterpreise für Drei-Zimmer-Bestandswohnungen im zweiten Stock mit einer Fläche von 80 Quadratmetern.

Quelle: Handelsblatt