Bratek Immobilien

Mi, 30.06.2021
Warum Immobilienpreise weiter steigen

Die Nullzinspolitik der vergangenen Jahre hat vielen den Traum von den eigenen vier Wänden ermöglicht. Günstige Finanzierungen machten manches möglich. Doch wie geht es weiter?

Es ist so viel Geld im Umlauf wie nie. Die Nullzinspolitik der Notenbanken macht das möglich. Und ermöglicht wurde auch vielen Häuslebauern die Verwirklichung ihres Traums: Vor zehn Jahren waren es 4,5 Prozent Zinsen für einen Immobilienkredit mit 15 Jahren Laufzeit, Ende vergangenen Jahres im Schnitt ein Prozent. So ließ sich auch mal ein Kredit über eine halbe Million Euro stemmen. Jetzt aber steigen die Zinsen. Fallen dadurch aufgrund möglicherweise geringerer Nachfrage auch die Immobilienpreise?

Experten schließen Zinssprünge aus

Nein, sagt Stefan Risse von der Fondsgesellschaft acatis. Eher das Gegenteil sei der Fall. Denn wirklich große Zinssprünge werde es erstmal nicht geben. „Wenn die Zinsen erhöht werden, dann werden sie wahrscheinlich allenfalls mit der Inflation erhöht, und wenn das der Fall ist, dann werden – durch die Inflation angetrieben – Sachwerte weiter steigen. Immobilien sind Sachwerte – das heißt, die klettern dann im Preis eher noch schneller.“

Das werde auch den großen börsennotierten Immobilien-Unternehmen wie Vonovia und Deutsche Wohnen nicht schaden – im Gegenteil, so Risse. Er sieht bei zwei Prozent Hypothekenzinsen das Ende der Fahnenstange. Ein Zinsniveau wie vor zehn Jahren hält er in den nächsten Dekaden für ausgeschlossen: „Erhöhungen in Richtung vier bis fünf Prozent sind vollkommen undenkbar. Wie sollen die Staaten, wie sollen die hochverschuldeten Unternehmen – teilweise hoch verschuldeten Unternehmen – dann noch ihre Schulden und ihre Zinslast bedienen?“

Bauen wird auf vielen Ebenen teurer

Trotz bleibendem Niedrigzinsniveau: Ein oder zwei Prozent Zinsen machen dann schon einen Unterschied. Zudem wird Bauen teurer. Im Riesenreich China brummt die Konjunktur, es werden ganze Städte in kurzer Zeit aus dem Boden gestampft, China kauft auch aus Deutschland alles auf, was zu haben ist: Holz, Sand, Stahl. Und zahlt enorme Preise. Durch die Verknappung der Baustoffe steigen die Kosten fürs Bauen hierzulande enorm.

Professor Günter Vornholz von der EBZ Business School in Bochum verweist darauf, dass heute doppelt so viele Wohnungen gebaut werden wie vor zehn Jahren. Eine starke Nachfrage treffe also auf Baustoffmangel. „Zusammen sind die Produkte, die im Bau eingesetzt werden, halt deutlich teurer“, sagt Vornholz. Hinzu komme die gute Baukonjunktur: „Das führt dazu, dass die Preise im Baubereich stark gestiegen sind wie seit Jahren nicht mehr.“

Gefragte Rohstoffe treiben die Preise

Nicht nur die Baukosten werden steigen. Stefan Risse sagt, alles wird teurer, gerade Rohstoffe. Er nennt ein Beispiel: „Ein mit einem Elektromotor angetriebenes Auto braucht viermal so viel Kupfer wie ein Verbrenner. Das heißt, Kupfer dürfte im Preis weiter steigen, aber eben auch Kobalt, Lithium, Silber. All das, was für Batterien verwendet wird. Wir stehen vor einem neuen Super-Zyklus in Bezug auf die Rohstoffe – und er wird länger anhalten.

„Das alles sind Preistreiber, die die Inflation anfachen. Das Statistische Bundesamt hat heute aktuelle Zahlen vorgelegt. Die Verbraucherpreise liegen demnach im Juni um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Eine leichte Abschwächung gegenüber den Zahlen im Mai, aber dabei wird es wohl nicht bleiben. Die Schätzungen liegen bei drei bis vier Prozent Teuerungsrate im Herbst.

Quelle: tagesschau